Interview mit Bernward Kirstein, Trainer der Deutschen Golf Nationalmannschaft
Golfplatz Alcanada
Herr Kirstein, Sie haben gerade ein Trainingscamp mit der Nationalmannschaft auf Mallorca absolviert. Wie oft waren Sie schon im Trainingslager auf Mallorca?
Mit dieser Jungenmannschaft zum drittenmal - aber alle unsere Mannschaften nutzen Mallorca als Trainingsort. In diesem Winter haben insgesamt 9 Trainingsmaßnahmen auf Mallorca stattgefunden!
Welche Vorzüge hat die Insel gegenüber anderen Destinationen?
Sehr gut erreichbar! Daraus ergibt sich eine Schnittmenge aus Erreichbarkeit und Trainingsbedingungen, die für uns attraktiv ist.
Sie haben mehrere Plätze auf der Insel bespielt. Welcher Platz hat Ihrer Mannschaft am Besten gefallen?
Bei den Trainingsmaßnahmen in diesem Winter lag unser Schwerpunkt auf Club de Golf Alcanada - wo wir die Trainings- und Spielmöglichkeiten bestmöglich nutzen konnten. Die Spieler konnten dort uneingeschränkt trainieren. Wir haben aber in der Vergangenheit schon auf anderen Anlagen sehr gut trainieren können, beispielsweise Son Antem, Son Muntaner und Capdepera. Grundsätzlich sind wir immer auf der Suche nach hervorragenden Trainingsbedingungen.
Welcher Platz ist Ihrer Meinung nach der technisch Anspruchvollste?
Das war bei den schwierigen Wetterbedingungen auch eine Frage der Pflegemöglichkeiten! Leider kenne ich noch nicht alle Plätze auf der Insel. Wir waren in Alcanada bei stürmischen Bedingungen jedenfalls "ausgelastet".
Ich habe einmal gehört, Golfen sei der schwierigste Sport der Welt. Würden Sie dem zustimmen?
Als schwierigster Sport erscheint immer der, den man scheinbar nicht beherrscht!
Im Golfen lassen sich zuviele vom Handicapsystem oder von scheinbar perfekten Vorbilder verleiten, die eigene Leistung herabzuwürdigen. Ein bisschen mehr britische Gelassenheit und das notwendige Quantum Stolz auf die eigene erbrachte Leistung würden so manche Bewertung wieder besser einordnen helfen!
Bei vielen anderen Sportarten sind Trainer in erster Linie Taktiker, Planer und Psychologen. Was ist Ihre Aufgabe bei der Golf Nationalmannschaft?
Ähnlich wie von Ihnen beschrieben. Vielleicht etwas anders gewichted und ergänzt um die in Maßen notwendige Steuerung der notwendigen Techniken. Das geschieht in enger Zusammenarbeit mit den Homepros der Spieler.
Die Taktik ist meist Personen bezogen, da Golf nunmal eine Individualsportart ist.
Und bei allen (notwendigen) psychologischen Fähigkeiten und Möglichkeiten eines modernen Trainers: wir arbeiten seit einigen Jahren erfolgreich mit den Sportpsychologen Heiner Langenkamp und Jürgen Beckmann zusammen. Das hilft sowohl direkt den Spielern fließt aber auch in die Trainingsgestaltung mit ein. Wenn man alles aus der Distanz überschauen wollte, könnte Planung und Kommunikation die Kernaufgabe sein.
Gibt es beim Pro Golfen eine Spieltaktik oder muss man einfach bei jedem Schlag sein Bestes geben?
Natürlich muss der Professional bei jedem Schlag versuchen, seine Möglichkeiten optimal zu nutzen. Aber diese Möglichkeiten sind nunmal bei jedem verschieden. So muss der Spieler immer abwägen, wieviel Risiko und wieviel Sicherheit und Zutrauen er in den jeweiligen Schlag hineinlegt. Bestes Beispiel war bei der (British) Open im vorigen Jahr, als Todd Hamilton und Ernie Els als Führende gemeinsam auf die letzte Runde gingen. Todd mit einem Eisen vom Tee, Ernie mit dem Driver. Dieser defensiven bzw. aggressiven Spielweise sind beide einschließlich des später notwendigen Stechens treu geblieben - beide hatten ihre eigene (unterschiedliche) Taktik.
Ein letztes Wort an alle Golffreunde auf Mallorca:
Seit dankbar für das Privileg, auf diesen schönen Plätzen diesem Sport frönen zu können.